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Russland: Zukunftsmarkt für die Pharmaindustrie

Da nach der russischen Pharmastrategie gilt, dass bis 2020 90% aller lebenswichtigen Arzneimittel im Land selbst hergestellt werden müssen, ist der Anreiz für internationale Unternehmen groß, vor Ort eine Produktion aufzubauen. Was es dabei aus rechtlichen und steuerlichen Aspekten zu beachten gibt, beschreibt der Russlandexperte Alex Stolarsky in seinem Vortrag auf der Cleanzone Plaza am 23. Oktober um 13 Uhr. Im Interview teasert er seinen Vortrag an.

„Der russische Markt gewinnt im Rahmen der russischen Lokalisierungspolitik seit 2015 zunehmend an Bedeutung für internationale Pharmaunternehmen, insbesondere wenn diese Unternehmen an staatlichen Ausschreibungen teilnehmen wollen.“

Alex Stolarsky

1. Welche Bedeutung hat der russische Markt für Unternehmen, die im Reinraum produzieren also beispielsweise die Pharmaindustrie?

Alex Stolarsky: „Der russische Markt gewinnt im Rahmen der russischen Lokalisierungspolitik seit 2015 zunehmend an Bedeutung für internationale Pharmaunternehmen, insbesondere wenn diese Unternehmen an staatlichen Ausschreibungen teilnehmen wollen, da es hierfür erforderlich ist, einen hinreichenden „Local Content“ zu erreichen und innerhalb Russlands zu produzieren bzw. im Rahmen einer Auftragsfertigung produzieren zu lassen. Außerdem gibt es seit Mai 2017 zumindest formal einen einheitlichen Arzneimittelmarkt in der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) mit entsprechenden Verfahren zur einheitlichen Arzneimittelzulassung etc.

Gesundheit und Medizinversorgung sind strategisch wichtige Themen der russischen Regierung. Die russische Pharma 2020-Strategie sieht vor, dass im Jahr 2020 bis zu 90% aller lebenswichtigen Arzneimittel und mittelfristig 50% aller anderen Arzneimittel lokalisiert werden müssen. Hier sehen wir ein riesiges Wachstumspotential für ausländische Arzneimittelhersteller.“

2. Wie schätzen Sie im Moment die Rahmenbedingungen ein?

Alex Stolarsky: „Vor dem Hintergrund der derzeitigen geopolitischen Wirrungen und Sanktionen wird der russische Markt mit einer gewissen Ambivalenz und sehr sorgfältig betrachtet. Angesicht der Sanktionsspirale und der Spezifika des russischen Marktes ist dies sicherlich auch vernünftig, zuweilen beobachten wir aber auch eine „Overcompliance“. Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg in Russland sind unbestritten eine strukturierte Vorbereitung in rechtlicher, steuerlicher und operativer Hinsicht, flankiert von einer gesunden Portion Pragmatismus und Entscheidungsfreudigkeit. Insbesondere in der Pharmaindustrie sehen wir derzeit rege Betriebsamkeit gen Russland und EAWU und ein gesteigertes Interesse an einer lokalen Fertigung.“

3. Auf welche weiteren Themen werden Sie in Ihrem Vortrag auf der Cleanzone Plaza eingehen?

Alex Stolarsky: “Ich gebe zunächst einen kurzen Überblick zur allgemeinen Wirtschaftssituation in Russland, gehe sodann auf den einheitlichen Arzneimittelmarkt in der EAWU ein und stelle dann ausführlich die rechtlichen und steuerlichen Aspekte beim Produktionsaufbau, d.h. die Lokalisierungsregeln in Russland dar. Ein weiterer Exkurs behandelt die GMP in der EAWU im Pharmabereich und abschließend führe ich aus, wie ab 2020 Arzneimittel (verschreibungspflichtig (Rx) aber auch rezeptfrei (OTC)) in Russland serialisiert werden müssen.“

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